Frauenlob

06.12.2018

Heinrich von Meißen, der Mann, der die Frauen verehrte, aus Frauensicht

Von Marianne Hoffmann

 

In Mainz haben sich 17 Künstlerinnen gefunden, um mit Malerei, Skulptur, Druck, Collage, Foto- oder Videokunst einen modernen Blick auf Frauenlob (700. Todestag) zu werfen.

 

 

 

MAINZ - Der Legende nach hat man in das Grab Heinrich von Meißens, genannt Frauenlob, im Kreuzgang des Mainzer Doms so viel Wein geschüttet, dass der Kreuzgang überflutet wurde.

Günter Minas erzählt diese Episode anlässlich der Ausstellung „Der Mann, der die Frauen lobte“, die er zusammen mit seiner Frau Christiane Schauder in einem Parforceritt auf die Beine gestellt hat. Er hat überlegt, ob man daraus eine Performance hätte machen können, aber der Mainzer trinkt dann doch lieber seinen Wein.

Erst im März kam man im Gespräch mit Freunden darauf, dass man dem Mann, der in Mainz für Straßen, Gebäude und Plätze Namensgeber war, ein zeitgenössisches Denkmal setzen müsste. Schließlich feiert man seinen 700. Todestag. Günter Minas und Christiane Schauder haben durch ihre Kunstaktion „3x Klingeln“ ein dickes Adressbuch an Kunstschaffenden, und so lag die Idee nahe, den Mann, der die Frauen lobte, von Künstlerinnen verehren zu lassen. Trotz der Kürze der Zeit haben sich 17 Künstlerinnen gefunden, die in Malerei, Skulptur, Druck, Collagen, Foto- oder Videokunst einen neuen, zeitgenössischen Blick auf Frauenlob werfen – und das alles im Frankfurter Hof, der weniger mit Ausstellungen als mit anderen, zumeist Musik-Veranstaltungen glänzt.

 

 

Nicola Jaensch hat in ihrer besonderen Art der Bildergestaltung, die so wunderbar gestrig anmutet, Madonna, die Pop-Ikone, in Szene gesetzt und verweist damit subtil auf die übergroße Verehrung Frauenlobs für Madonna, die Mutter Gottes. Ganz anders geht Yeonho Jang mit dem Thema Frauenlob um: Sie überschneidet in einem Video nackte Frauenkörper und lässt in subtilen Blauschwarz-Tönen surreale Frauengemälde entstehen, die sich aber nach einigen Sequenzen als höchst real herausstellen. Lacrimosa nennt Katja Theinkom ihre Installation. An eine Wäscheleine gespannt, hängen Höschen, feine Damenunterhöschen, die verführerisch glitzern und funkeln, aber durch ihr stacheliges Glitzeroutfit ist Berühren verboten, denn das Bild der Madonna im Höschendreieck beschreibt die Unschuld. Lacrimosa heißt tränenreich, mehr muss man dazu nicht sagen. Sieht man sich die Verse Frauenlobs an, dann strotzen diese vor Anzüglichkeiten und durchaus erotischen und zum Teil deftigen Metaphern, von Unschuld keine Spur.

 

 

 

Glaubt man den Mediävisten, dann war Frauenlob zwar ein Meistersinger, aber ein absolut drittklassiger, der nach unflexiblen Stilvorgaben drauflos reimte. Da wäre es doch besser gewesen, man hätte weitere zweimastige Kriegsschoner nach ihm benannt, so wie Marianne Grosse (SPD), die Kulturdezernentin, in ihrer Begrüßungsrede von dem 1855 gebauten Kriegsschiff „Frauenlob“ erzählt.

 

 

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